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Russlanddeutsche Persönlichkeiten
       
 Ein Denkmal für Bischof Anton Zerr 








Liebe Landsleute,

im November 2011 habe ich mich im Auftrag von Familienangehörigen und Freunden des im Jahre 1932 in Selz verstorbenen Bischofs Anton Zerr an Sie gewandt und gebeten, die Einrichtung einer Grabstätte für unseren Bischof finanziell zu unterstützen. Es haben sich 28 Familien gemeldet, die eine Summe von 2030 Euro auf das HFDR-Konto überwiesen haben. Die Kosten für einen Grabstein und einen Metallzaun sind vom Bischöflichen Ordinariat Odessa auf 4500 Euro veranschlagt worden. Einen Teil (etwa 500 Euro) versprach der Bischof von Odessa zu übernehmen. Die Seelsorge für die russlanddeutschen Katholiken in Bonn (Visitator Dr. Alexander Hoffmann) beteiligte sich mit 1000 Euro. Den Rest übernimmt der HFDR. Inzwischen haben es sich die Herren aus Odessa anders überlegt: Statt eines Zaunes möchten sie den Weg zur und um die Grabstätte auspflastern. Dafür bitten sie um weitere finanzielle Unterstützung. Unser HFDR-Verein stellt erneut das Vereinskonto unter dem Stichwort "Bischof Zerr" für weitere Spenden zur Verfügung. Das Konto lautet: 3643653, BLZ 76050101 bei der Sparkasse Nürnberg.

Hier sind die Namen derer, die uns bei der Spendenaktion für den Grabstein unterstützt haben: 1. Josef Zerr, 2. Georg Zerr, 3. Johannes Wilhelm, 4. Johannes Derzapf, 5. Anton Bosch, 6. Adela Gensch, 7. Alexander Dietrich, 8. Henriette Goene (Götte), 9. Johannes Jung, 10. Lydia Thomas, 11. Eduard Häuser, 12. Ida Zich, 13. Katharina Frank, 14. Reinhold Schindler, 15. Anton Wilhelm, 16. Michael Wanner, 17. Johannes Kunz, 18. Rafael Kaiser, 19. Barbara Enz, 20. Nina Singer, 21. Erich Stopl, 22. Lilli Buchholz, 23. Reinhard Uhlmann, 24. Albert Obholz, 25. Eduard Gelzenlichter, 26. Jakob Bastron, 27. Erna Malygin und 28. Merv Weiss aus Kanada.

Noch einmal zur Biographie und zur Denkmalerrichtung für Bischof Anton Zerr. Bischof Antonius Zerr von Padua war der erste Bischof der Diözese Tiraspol, der aus einer deutschen Kolonistenfamilie stammte. Er wurde am 10.03.1849 in Franzfeld bei Odessa geboren. Seine Eltern waren Peter Zerr und Maria Zerr, geborene Braun. Im Alter von 13 Jahren kam er in das Knabenseminar nach Saratow. Anfang März 1872 wurde er zum Priester geweiht und zum Administrator der Kirchengemeinde in Preuß (Krasnopolje) ernannt. Fünf Jahre später erhielt er das gleiche Amt in Katharinenstadt an der Wolga, gleichzeitig wurde er zum Dekan des nördlichen Bezirks der Wiesenseite ernannt. Im März 1883 ernannte ihn Papst Leo XIII. zum Weihbischof und am 18.12.1889 zum Diözesanbischof mit Sitz in Tiraspol. In der kurzen Zeit seiner Tätigkeit als Bischof von Tiraspol weihte Zerr 20 Kirchen und erteilte 80.000 Katholiken die Kommunion. Er war Mitgründer des Diözesanblattes "Klemens", das über das Leben seiner Diözese berichtete. Dank seiner loyalen Einstellung zum Zarenhof wurde er von Zar Alexander III. mehrfach ausgezeichnet.
Im Jahre 1893 reiste er für sieben Wochen in den Vatikan und traf sich mehrmals mit Papst Leo XIII. und seinem Kardinalstaatssekretär.
1917, nach der Verlegung des Sitzes der Diözese Tiraspol von Saratow nach Odessa, widmete sich Bischof Zerr der Ausbildung von Seminaristen und der religiösen Erziehung der Jugend.
1924 reiste Bischof Zerr zwecks Beratung des tragischen Zustandes der Kirche in Russland zum zweiten Mal nach Rom. Nach seiner Rückkehr wurde er vom KGB wegen Spionage verfolgt und aus Odessa verbannt. Praktisch bis zu seinem Tod musste er seinen Wohnsitz oft wechseln und geheim halten. Seine letzten Jahre verbrachte er bei mehreren Familien in Kandel im Kutschurganer Bezirk. Barbara Schmalz, geb. Becker versorgte ihn bis zu seinem Sterbetag am 15.12.1932 (Schnurr: 1934, "Die Kirchen und ...", S. 154). Für diese Tätigkeit wurde sie und Ihre Mann 1937 verhaftet und erschossen. Auch Eva Sander (1911-2004 in Selz) pflegte Bischof Zerr bis zu seinem Ende. Seinem Wunsch entsprechend wurde der Bischof in Selz in einer Grotte beigesetzt. In dieser Grotte waren schon zwei Pfarrer beerdigt. Einer dieser Pfarrer hieß laut Aussage von Luzia Rissling Georg Rissling. Er starb 1919 auf der Krim, und seine Leiche wurde von Luzias Vater nach Selz übergeführt.
Die Grotte wurde kurz nach Bischof Zerrs Beisetzung geschändet. Aus dem Grab wurden der goldene Bischofsring und das Bischofskreuz gestohlen. Um weitere Schändungen zu vermeiden, wurde der Sarg des Bischofs heimlich umgebettet. Der Platz wurde zunächst geheim gehalten und mit der Zeit ganz vergessen.
Als Luzia Rissling 1992 nach Selz zurückkehrte, begann sie mit der Suche nach dem Grab. Im August 2009 stießen Totengräber zufällig auf eine Metallplatte mit einem Engelbild. Da ihnen die Gussplatte ungewöhnlich vorkam und sie durch Luzia Rissling von dem Bischofsgrab wussten, benachrichtigten sie zuerst Luzia, danach den katholischen Bischof Bernatzki aus Odessa und später die Sicherheitsorgane. Der Sarg wurde geöffnet, Pfarrer Jann und Bischof Bernatzki stellten fest, dass sich im Sarg eine Leiche in Bischofskleidung und ein Kreuz aus Holz befand. Bischof Bernatzki wollte den Sarg nach Odessa mitnehmen und dort neu bestatten, aber Luzia Rissling, die einzige deutsche Einwohnerin und Leiterin des Dorfmuseums in Selz (heute Limanskoje) schlug vor, hier eine Grabstätte für den Bischof und ein Denkmal für ihn und alle ehemaligen Deutschen dieses Dorfes zu errichten. Mit Spendengeldern wurde am 25.09.2012 ein Denkmal aufgestellt und am 03.11.2012 vom Bischof aus Odessa eingeweiht. Danach wurde in den Ruinen der alte selzer Kirche ein Gottesdienst mit etwa 90 Gläubigen zu Ehre des Bischofs Zerr und allen ehemaligen Bewohner des Dorfes gefeiert. Der Gottesdienst wurde vom Kirchenchor aus dem Bayerische Haus Odessa unterstützt. Nach 80 Jahren bekam unser erster Bischof aus einer Bauernfamilie seine verdiente Ruhestätte.
Mehr über die Einweihung des Denkmals unter krai.nikportal.net/pers-news/62284.html

M. Wanner / HFDR