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Tipps für Familienforscher

 Tipps für Ahnenforscher 2010 

Viele unserer Landsleute, die mit Ahnensuche beginnen wollen, stehen vor vielen Fragen wie: "Wo soll ich anfangen?","Was ist wichtig?","Welche Quellen gibt es" usw. Um ihnen den Einstieg zu erleichtern, habe ich eine Zusammenfassung von Schritten, Quellen und Ratschlägen erstellt.

1. Befragung von Verwandten
Das ist der erste und der wichtigste Schritt. Schreiben sie alles auf, auch das was auf ersten Blick nicht so wichtig zu sein scheint, z.B. die Ehepartner von Tanten, Onkel, Großtanten und Großonkel. Diese Daten können später helfen, die einzelnen Familienstämme miteinander zu verbinden. Sehr wichtig sind auch die Geburts-, Sterbe- und Wohnorte, besonders für die Zeit vor Beginn des Zweiten Weltkrieges, als die meisten Russlanddeutschen noch in ihren angestammten Siedlungsgebieten lebten.

2. Bücher
Von den Büchern empfiehlt sich an erster Stelle das Buch von K. Stumpp, "Die Auswanderung aus Deutschland nach Russland in den Jahren 1763 bis 1862". Trotz einiger Fehler bei Herkunftsorten bleibt es seit Jahren ein Bestseller. Allerdings sind die Angaben über die Familien, die in den Jahren 1817 und 1833 in das Gebiet Odessa und 1764-67 in das Wolgagebiet ausgewandert sind, unvollständig oder fehlen gänzlich. Die Wolgadeutschen können diese Lücke mit Hilfe des Buchs von I. Pleve, "Einwanderung in das Wolgagebiet 1764-1767" schließen. Für die Schwarzmeerdeutschen ist das Buch von K.Keller, "Die Deutschen Kolonien in Südrussland" sehr interessant. Die Heimatbücher der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland darf man auch nicht außer Acht lassen. Aus folgenden Büchern kann man auch einige genealogische Daten entnehmen: G.Leibbrandt,"Gemeindeberichte von 1848"; J.A.Malinowsky,"Die deutschen katholischen Kolonien am Schwarzen Meere" u.v.a.m.

3. Archive
Für fortgeschrittene Ahnenforscher ist der Kontakt mit einem Archiv sehr hilfreich. In einigen Fällen kann eine Reise zum Archiv noch mehr bringen. Zu den wichtigsten überregionalen Archiven für Russlanddeutsche evangelischen Glaubens gehört das Russische Historische Staatsarchiv in St.Petersburg (Российский государственный исторический архив, 195112, Санкт-Петербург, Заневский пр., 36). Im Aktenbestand 828 "St.Petersburger evangelischer Konsistorial-Bezirk" sind Abschriften aus den Kirchenbüchern der Orte, die zur ersten Süddeutschen Propstei gehören. Es sind die Gebiete rund um St.Petersburg, südwestlicher Teil der Ukraine und Bessarabien. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, diese Akten als mikroverfilmte Ausgabe in der Mormonen-Kirche(s.unten) anzusehen. Das wichtigste Archiv für katholische Russlanddeutsche, auch für Wolgadeutsche beider Konfessionen, ist das Staatsarchiv des Gebiets Saratow (ОГУ "Государственный архив Саратовской области", 410012, Саратов, ул. Кутякова, 15). In den Aktenbeständen 1155 "Mogilewer katholischer Konsistorial" und 365 "Tiraspoler katholischer Konsistorial" befinden sich die noch einzig vorhandenen Abschriften der katholischen Kirchenbücher aus dem Schwarzmeergebiet und die Abschriften der katholischen Kirchenbücher aus dem Wolgagebiet. Im Aktenbestand 637 "Sammlung der Matrikeln" sind Kirchenbücher des Wolgagebiets im Original vorhanden. Einige fehlen jedoch, vor allem ältere Bücher. Man kann auch versuchen, in den regionalen Archiven, wie das Historische Staatsarchiv der Wolgadeutschen in Engels (ОГУ "Государственный исторический архив немцев Поволжья вг. Энгельсе", 413100, Саратовской обл., г. Энгельс, Пл. Ленина, 13), das Staatsarchiv des Gebiets Wolgograd (ГУ "Государственный архив Волгоградской области",400131, г. Волгоград, ул. Коммунистическая,30) oder das Zentrale Staatsarchiv des Gebiets Samara (ГУСО "Центральиый Государственный архив Самарской области", 443099, г. Самара, ул. Молодогнардейская, 35), die fehlenden Bücher bzw. Akten zu finden. Nähere Informationen über die russischen Archive findet man unter www.rusarchives.ru.
Für die Schwarzmeerdeutschen kommen Archive wie Staatliches Archiv des Gebiets Odessa und Staatliches Archiv des Gebiets Dnipropetrowsk(russ. Dnjepropetrowsk) in Frage. Die beiden Archive arbeiten zusammen mit dem Institut für Deutschland- und Osteuropaforschung des Göttinger Arbeitskreises an der Erstellung der annotierten Findbücher für seine wichtigsten Aktenbestände: Odessa zum Aktenbestand 6 "Fürsorgekomitee für ausländische Ansiedler in Südrußland" 1799-1876 (bisher erschienen 6 Bände von 20 geplanten), Dnipropetrowsk zum Aktenbestand 134 "Fürsorgekontor für ausländische Ansiedler Neurußlands 1781-1857 (1. Band erschienen, weitere sind geplant). Außerdem befindet sich in Dnipropetrowsk eine große Sammlung von Reisepässen.

4. Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen)
Die Kirche unterhält in Deutschland mehrere "familiengeschichtliche Zentren", wo es Möglichkeiten gibt, Mikrofilme zu bestellen und für drei Monate auszuleihen. Die Anzahl der Mikroverfilmungen ist sehr unterschiedlich. Bayerische Orte sind kaum verfilmt, im Gegensatz zu diesen sind Orte in Baden, Hessen und in der Rheinpfalz vollständig vorhanden. Die Mikrofilme von württembergischen Orten dürfen nur von Kirchenmitgliedern angesehen werden. Von den Gebieten der ehemaligen Sowjetunion sind die Kirchenbücher von Bessarabien(Moldawien) am aussagekräftigsten. Diese sind nach dem Krieg in Berlin und in der Zentralstelle für Genealogie in Leipzig wiedergefunden und dort auch verfilmt worden. Einige russische Archive, wie in St.Petersburg und Samara(Kuibyschew) haben es der "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage" erlaubt, ihre Aktenbestände zu verfilmen. Für andere gibt es nur die Möglichkeit, im Lesesaal des jeweiligen Archivs zu forschen. Manche Kirchenbücher, die vor 1940 aufgenommen wurden, sind jetzt nur noch als Film vorhanden, weil die Originale während des Zweiten Weltkrieges vernichtet worden sind, Weitere Informationen über die Kirche und die Mikroverfilmungen gibt es unter www.Familysearch.org.

5. Vereine
Es gibt ganz wenig historische Vereine, die sich mit dem Thema "Russland-Deutschtum" befassen. Ich kenne auch keinen russlanddeutschen genealogischen Verein in Deutschland. Zwei gibt es jedoch in den USA: AHSGR (American Historical Society of Germans from Russia, 631 D Street, Lincoln, NE,(Nebraska, USA) 68502-1199), beschäftigt sich vor allem mit Wolgadeutschen, GRHS (Germans from Russia Heritage Society, 1125 West Turnpike Avenue, Bismarck, ND,(North Dakota, USA) 58501), mehr für Schwarzmeerdeutsche gedacht. Die Interessengebiete beider Vereine vermischen sich aber mit der Zeit. Es sind mehrere Revisionslisten von Orten im Wolgagebiet und auch im Gebiet Odessa erschienen. Ein Kontakt mit dem jeweiligen Ortskoordinator hilft in der Regel weiter. Die meisten Ortskoordinatoren sprechen allerdings nur Englisch, das könnte für einige Landsleute erschwerend hinzu kommen.

6. EWZ(Einwanderungszentrale)-Listen
Das sind Einbürgerungsanträge von Personen, die während des Krieges in Deutschland waren und die Einbürgerung bekommen haben. Die Verfilmungen dieser Akten befinden sich in den National Archives (The U.S. National Archives and Records Administration, 8601 Adelphi Road, College Park, MD,(Maryland, USA) 20740-6001), die Originale im Bundesarchiv (Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde, Finckensteinalle 63, 12205 Berlin). Die EWZ-Listen findet man unter: www.odessa3.org/collections/war/ewz.
Da es viel Fehler (Ortsangaben, Geburtsdaten) gibt, kann man diese Listen nicht als Nachweis benutzen, für die Feststellung einer genealogischen Verbindung sind diese aber sehr wertvoll. Einige Listen enthalten bis zu 20 Seiten Text, handschriftliche Lebensläufe und Fotos, deswegen ist es ratsam, die komplette Akte anzufordern.

Waldemar Pflug, Bayreuth




 Tipps für Ahnenforscher 2011 

Bekanntlich war aus ideologischen Gründen in der ehemaligen Sowjetunion kaum etwas über die Familienforschung zu hören. In der heutigen Russischen Föderation gibt es dagegen sogar Fernsehprogramme über Stammbäume von Adelsfamilien und verdienter Persönlichkeiten. In Deutschland gibt es fast in jeder Stadt eine Forschungsgruppe, die sich mit der Familien- und Regionalgeschichte beschäftigt. Nach den eigenen Vorfahren sucht man hier zuerst in den Kirchenbüchern, welche nicht überall gleich, aber zumeist schon seit 1615 vorhanden sind. In Bezug auf die Familienforschung und die hierfür unverzichtbar wichtige Informationssammel- und Aufbewahrungssorgfalt ist besonders die in den USA und Kanada sehr verbreitete Glaubensgemeinschaft "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage" (oft als "Mormonen") bekannt. Sie wurde 1838 gegründet, ihr Sitz befindet sich in Salt Lake City, Utah/USA und sie zählt weltweit über 13 Millionen Gläubige (davon ca. 3600 in Deutschland). Im Glauben, dass nach dem Tod der Mensch in einer anderen Welt weiter lebt und man sich dort wiedersehen kann, erstellen sie pflichtbewusst ihre Familienstammbäume, um einander schneller zu finden und zu erkennen.

Die Mormonen haben inzwischen in vielen Ländern der Welt die Kirchenbücher fotokopiert und stellen diese Fotokopien in ihren Gemeinden zur Verfügung. Auch ein Teil von Kirchenbüchern aus Russland hatte die Glaubensgemeinschaft inzwischen kopiert. Auskunft über diese Unterlagen kann man auch in der Kirchenzentrale in Deutschland bekommen(Mitteleuropäische Zentrale der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, Max-Planck-Straße 23A, 61381 Friedrichsdorf /Taunus, Genealogie-Telefonservice unter: 00 800 183 018 30.). Weitere Information über die Kirche und deren Unterlagen finden sie beispielsweise unter:

www.familysearch.org

Bevor man sich jedoch an die Kirche wendet, sollten möglichst alle Angaben zu den Familienangehörigen bei den noch lebenden Verwandten und Bekannten eingeholt werden. Auch wenn diese Angaben oft ohne korrekte Daten oder Namen sind, kann man sie später aufgrund der aufgefundenen Archivunterlagen jederzeit präzisieren und korrigieren, die ersten Anhaltspunkte für die Archivsuche ist jedoch von großer Bedeutung.

Für ein Teil der Russlanddeutschen, dessen Verwandten während des letzten Krieges in einer der damaligen Einwanderungszentralen "durchgeschleust" wurden (ca. 350 000 Personen), wäre vielleicht zunächst ein Blick in die vorhandenen EWZ-Listen sehr hilfreich, denn in dieser Quelle könnte man im Glücksfall bis zu 20 Aktenseiten finden, und zwar evtl. sogar mit Fotos und handgeschriebenen Lebensläufen, Angaben zu den Wohnorten vor der Umsiedlung nach Deutschland und bis zu drei Generationen an Vorfahren. Allerdings sind leider nicht alle EWZ-Listen so aussagekräftig, auch nicht alle Personen wurden während des Krieges in einer dieser Zentralen, zuletzt im sog. "Schnellverfahren" eingebürgert. Einigen Personen, beispielsweise aus sog. "Mischehen" oder auch Nichtdeutsche (ca. 20 000 Personen) erhielten damals oft eine Einbürgerung auf Widerruf oder sogar einen Zurückstellungsbescheid.

Insbesondere in den letzten Monaten des Krieges konnten einige Familien wegen des schnellen Vorrückens der Sowjetarmee nicht mehr ordnungsgemäß "durchgeschleust" werden, manchmal wurden sie nicht einmal registriert. Auch diejenigen, die in dieser Zeit noch schnell in die Wehrmacht oder in die Waffen-SS einberufen worden sind, wurden nicht mehr in den EWZ, sondern zumeist schon direkt in ihren Front-Regimentern registriert und eingebürgert. Dabei darf die Registrierung, Aufnahme in die "deutsche Volksliste" und Ausstellung von Volkstums-Ausweisen vom Reichskommissariat in den von der Wehrmacht besetzten ukrainischen Gebieten nicht mit den Einzeleinbürgerungen in den EWZ-Stellen verwechselt werden.

Die Unterlagen aus den EWZ-Stellen, insbesondere über die Einbürgerungen kamen nach dem Krieg ins US-Amerikanische Document-Center und wurden erst nach dem Fall der Mauer an das Deutsche Bundesarchiv(Bundesarchiv, Finkensteinallee 63, 12205 Berlin, Tel. 030-187770-0) übergeben. Allerdings befinden sich viele Unterlagen und diverse Kopien von den Akten immer noch im USA National Archiv(The U.S. National Archives and Records Administration, 8601 Adelphi Road, College Park, MD 20740-6001). Nach Angaben der USA-Forscher sind etwa 10% der EWZ-Listen in den Kriegswirren verloren gegangen. Es sind allerdings auch Fälle bekannt, dass Amerikaner einige Akten bei sich haben und im Berliner Bundesarchiv diese nicht vorhanden sind und umgekehrt. Mehr über die EWZ-Liste in den USA können sie auf der Homepage des "The National Archives at College Park, Maryland" finden:

http://www.archives.gov/dc-metro/college-park
(hauptsächlich in englischer Sprache)

Das Bundesarchiv und die Mormonen hatten in einem gemeinsamen Projekt vor, die EWZ-Listen und die Kirchenbücher als Mikrofilm den Forschern zur Verfügung zu stellen. Die Mormonen verfügen jedoch nur über die ersten zwei Seiten aus den EWZ-Unterlagen, jeweils aus den Stammblättern (Einbürgerungsanträge) und aus der Gesundheitskartei. Das Berliner Bundesarchiv hatte die EWZ-Akten (Bestand 69) auf seiner Homepage freigegeben. Diese können mit der Suchmaschine "ARGUS" durchsucht werden. Bei nachgewiesener Verwandtschaft dürfen die Einbürgerungsunterlagen der eigenen Familienmitglieder eingesehen werden, dies gilt auch für Forscher bei wissenschaftlichen Untersuchungen (weitere umfangreiche Benutzungsbedingungen müssen dabei ebenfalls eingehalten werden). Die Archivunterlagen über die Einbürgerungen aus der Kriegszeit bleiben auch heute ein gültiges (Nachweis-) Dokument. Nach dem damaligen Staatsangehörigkeitsrecht haben Frauen, die während des Krieges eingebürgert wurden, aber vor 1956 einen nichtdeutschen Staatsangehörigen (darunter werden auch sog. "Volksdeutsche" verstanden) geheiratet haben, ihre deutsche Staatsangehörigkeit verloren. Bei einer Heirat nach 1956 konnte die Staatsbürgerschaft durch "Erklärung" (innerhalb von sechs Monaten nach Kenntnis darüber) wieder erlangt werden. Landsleute, die auf ihre deutsche Staatsangehörigkeit auf diese Weise nachgewiesen haben, aber auch deren Nachkommen, können dann jederzeit das Ausstellen eines deutschen Passes bei der deutschen Botschaft beantragen und nach Deutschland einreisen. Allerdings ist damit die Anerkennung des Status "deutscher Spätaussiedler" nicht verbunden, so dass auch die noch unvollständig vorhandene Anrechnung der Arbeitsjahre auf die deutsche Rente nicht vorgenommen werden kann.

Ein Teil der EWZ-Listen verblieb in der Sowjetischen Besatzungszone und kam nach dem Zweiten Weltkrieg - genauso wie die vielen "repatriierten" Russlanddeutschen - in die UdSSR. Diese befinden sich hauptsächlich in den Archiven der jeweiligen Gebietshauptstädte (Odessa, Nikolajew, Dnjepropetrowsk usw.), je nach Wohnort der "Repatrianten" vor dem Krieg. Diese Russlanddeutschen wurden in entsprechenden Archivkarteien der Gebietshauptstädte registriert. In den Karteien wurden dann auch Daten über den jeweils neuen Aufenthaltsort, berufliche Tätigkeit, Familienstand etc. aus den Sonderansiedlungen in Kasachstan, im Uralgebiet, in Sibirien und Mittelasien bis in die 70er Jahre eingetragen und regelmäßig aktualisiert.

Bei der Suche nach Angehörigen, die während des Krieges in einer deutschen Militäreinheit gedient oder gearbeitet haben könnten außerdem das Militärarchiv in Freiburg(Militärarchiv, Wiesenstraße 10, ( Postfach 79024), 79115 Freiburg i.B.) oder auch das Deutsche Rote Kreuz in Hamburg(Deutsches Rotes Kreuz (Suchdienst), Amandastraße 72 - 74, 20357 Hamburg) angeschrieben werden.

Michael Wanner, Regenstauf




Kalender 2012: Eine interessante Forschungsanregung: Wolgadeutsche als Arbeiter in Mittelpolen 1850-1900 

In vorliegenden Familienforschungsunterlagen sind schriftliche Angaben und Hinweise auf eine Auswanderung oder Umsiedlung von Personen oder Familien aus dem Wolga-Gebiet, die durch Werber aus den Industriegebieten in Mittelpolen (1815-1831 offiziell Kongress-Polen, die Bezeichnung wurde endgültig 1867 aufgehoben) angeworben wurden. Sie wurden in der Regel in die neuen Siedlungsorte (Kolonien) im Gouvernement (Gubernia) Łodz - Piotrkow Trybunalski (Petrikau) angesiedelt und arbeiteten in den umliegenden Textil- und Maschinenfabriken. Wahrscheinlich aus gesund-heitlichen Gründen oder wegen Tod der Eltern sind teilweise die Kinder oder Angehörige der Arbeiter in die Heimat, an die Wolga, zu den Großeltern oder zu Verwandten zurückgekehrt.

Jeder Ahnenforscher stellt sich hier die Frage: "Ist das möglich?" - "Kann das sein?" So oder ähnlich lassen sich unerklärliche Details oder Angaben beschreiben, die eine weitere Vertiefung in der Ahnenforschung erfordern.

Unsere Forschungsreise an die Wolga nach Samara (1935-1990 Kuibyschew), Saratow, Engels (bis 1931 Pokrowsk, ehemalige Hauptstadt der Wolgarepublik) und Marx (bis 1920 Katharinenstadt) sollte die erhofften Ergebnisse bringen. Die Recherchen vor Ort in den Beständen der Archive führten trotz intensiver Suche zu keinen Ergebnissen. Es bestand wahrscheinlich keine Verpflichtung, die auswandernden oder umsiedelnden Personen dokumentarisch zu erfassen. Da eine Anfrage zu diesem Thema in den Internetforen der Ahnenforscher zu keinem verwertbaren Ergebnis führte, war eine detaillierte Forschung in den Archiven und vor Ort in Deutschland und Mittelpolen erforderlich. Durch die Informationen von:
Frau Martina Wermes, Sächsisches Staatsarchiv / Staatsarchiv Leipzig, Deutsche Zentralstelle für Genealogie, Schongauerstr. 1, D-04328 Leipzig,
www.staatsarchiv.sachsen.de

wurden nachfolgende Forschungshinweise (Schrifttum, genealogische Vereinigungen, Archive, Bibliotheken, Sammlungen) weiter verfolgt:

Rösler, Andreas: "Wegweiser für genealogische und historische Forschungen in ehemals deutschen Siedlungsräumen im östlichen Europa" (AGoFF-Wegweiser), Zittau 2009.
Die wechselvolle Geschichte unseres östlichen Nachbarn macht es den Nachfahren nicht leicht, Informationen über die spannende Geschichte ihrer Vorfahren in Mittelpolen zu recherchieren. Wer die Lebensbedingungen unserer Vorfahren besser verstehen möchte, kommt an einer Betrachtung der europäischen, insbesondere der polnischen, preußischen und der russischen Geschichte nicht vorbei. Der bekannte Geograph, Forscher und Schriftsteller Dr. Eugen Oskar Kossmann hat in seinem Buch "Deutsche mitten in Polen: unsere Vorfahren am Webstuhl der Geschichte" einen breit gefächerten Streifzug durch die einstigen Heimatgebiete der Deutschen in Mittelpolen beschrieben und gibt Antwort auf Fragen:
Wie das sogenannte "Łodzer Wunder" geschah und warum Łodz das "Manchester" Osteuropas bezeichnet wurde, und gibt eindeutige Hinweise auf die Suche nach Arbeitskräften in der damaligen Zeit. Zu beachten ist, dass es nach den anfänglich starken Einwanderungen auch zu erheblichen Abwanderungen kam, was während und nach den polnischen Aufständen (1830/1831 und 1867) im größeren Umfang geschah. So manche Ankömmlinge wanderten wieder zurück in die deutsche Heimat, viele zogen weiter nach Russland, einige kehrten von Russland auch wieder zurück in die neuen Industriegebiete rund um Łodz und Piotrków-Tryb. Es ist und bleibt also unsere Aufgabe, die Vorgeschichte in Mittelpolen mit ihrer besonderen Geschichte zu erforschen.

Die Suche nach den Wolgadeutschen in Mittelpolen ist hier eine besondere Herausforderung. Zeigt sich hier doch die Erkenntnis, dass keinerlei Angaben auf die Herkunft, den vorherigen Wohnsitz, den familiären Bindungen und den Ursachen der Umsiedlung von der Wolga nach Mittelpolen vorliegen. Die Forschungsreise nach Polen und die Recherchen vor Ort in den Beständen der Archive in Łodz und Piotrków-Tryb. sollten die erhofften Ergebnisse bringen. Die erarbeiteten Forschungsunterlagen, die Frau Irmgard Müller, D-04824 Beucha, Weidenweg 17, www.mittelpolen.de, Leipziger Genealogische Gesellschaft, www.lgg-leipzig.de, im Rahmen ihrer Forschungstätigkeit "Familienforschung in Mittelpolen" über Jahre ermittelte, bilden die Basis für weitere Forschungsaufgaben. Durch die regelmäßigen Forschungsarbeiten in den polnischen Archiven in Mittelpolen ist eine umfangreiche Bestandsdokumentation erarbeitet worden.

Auf der Internetseite: www.mittelpolen.de sind die derzeit aktuell erarbeiteten und freigegebenen Forschungsergebnisse veröffentlicht. Wichtige Bestandteile der Forschungsunterlagen sind die Gründungsurkunden, Schulzenladen, alte und neue Orts- und Gebietskarten, Friedhofsdokumente und Kirchenbuchbestände. Pater Pawel Sudowski aus Łodz verwies auf die Besonderheit der kirchlichen Veränderungen im Gebiet Łodz und Piotrków Tryb. Hier handelt es sich um den Verkauf von evangelischen Kirchen und dessen Bestände an die katholische Kirche. Als Beispiel sei hier die jetzt katholische Kirche "Kościół p.w. Zesłania Ducha Świętego" (Heiliggeist-Kirche) in Łodz (1940-45 Litzmannstadt) erwähnt, in der er Pater ist. Diese war eine der Hauptkirchen für Taufen, Eheschließungen und Beisetzungen der Deutschen im Łodzer Gebiet. Auch der Bibliothekar Alfred Emanuel Pawlik im Archiwum Panstwowe (Staatsarchiv) in Piotrków Tryb. verwies auf das dortige Evangelische Pfarramt, in dem bereits die Ortsverzeichnisse und das familiengeschichtliche Schriftgut aus den Kirchenbüchern ins Deutsche übersetzt wurden. Es muss auch darauf hingewiesen werden, dass die konfessionellen Veränderungen sich auf die Dokumentationen negativ auswirkten. So ist es auch zu erklären, dass bereits einige Suchergebnisse, die den Hinweis auf die Deutschen von der Wolga bestätigten, durch nachträgliche Eintragungen wieder in Frage gestellt wurden!

Jetzt sind die Fragen zu stellen: Welche Familien der Wolgadeutschen gehen den gleichen Hinweisen nach? Sind Forschungsergebnisse vorhanden? Welche Ahnenforscher recherchieren im Gebiet Mittelpolen und sind sie bei ihren Recherchen auf diese oder ähnliche Hinweise gestoßen?

Lilly Buchholz-Rimer und Horst Bredemeyer

Weitere Informationen, Adressen zu Schrifttum, Archiven und Vereinen zu erfragen bei:
Lilly Buchholz-Rimer und Horst Bredemeyer, Am Bocksbühl 20, 88260 Argenbühl-Eisenharz, Tel.: 07566 / 941 088; Email: lilly.buchholz@t-online.de




Kalender 2013: Ortssuche im Internet 

Wer Ahnenforschung betreiben will, muss wissen, wo die Vorfahren gelebt haben, um in Kirchenbüchern, Gerichtsakten oder anderen Quellen fündig zu werden. Wer jemals einen Ort in Osteuropa gesucht hat, wird schnell festgestellt haben, dass dies extrem schwierig ist. Dafür gibt es viele Gründe:

  • Der Ortsname wurde geändert. Besonders häufig geschah dies auf der Krim.
  • Es gibt viele verschiedene Transkriptionen der kyrillischen Buchstaben und auch Unterschiede zwischen Russisch und Ukrainisch.
  • Der Ort existiert nicht mehr. Allein in Wolhynien gibt es über 1000 Orte mit einst deutschen Einwohnern, die verschwunden sind.
  • Der Ort wurde eingemeindet oder mit einem anderen Ort zusammengeschlossen.
  • Viele Orte tragen den gleichen Namen, besonders häufig in Polen.
  • Mehrmals verschoben sich die Grenzen nach dem Ersten Weltkrieg bis heute. 1991 entstanden aus Sowjetrepubliken selbständige Staaten mit eigenen Schriftsprachen. Für Wolhynien war dies extrem: bis 1920 Russisch, dann im Westen bis 1939 Polnisch, 1939 bis 1941 Russisch, 1941-1944 Deutsch, dann wieder Russisch und ab 1991 Ukrainisch.


Zum Finden eines Ortes im ehemals Russischen Reich benötigt man fast immer ergänzende Informationen, kleinere Orte zu finden.

Vor 13 Jahren begann ich nach meinen Vorfahren zu forschen und suchte zuerst den Geburtsort meines Vaters. In meinem Ahnenpass steht Żeleznica, Kr. Rowno. Obwohl mein Vater 1907 im Russischen Reich geboren wurde, war die Ortsangabe eine Mischung von Polnisch und der Transkription des russischen Namens ins Deutsche. Der Kreis ist eindeutig: es ist die Hauptstadt der heutigen ukrainischen Oblast Рівне (Rivne), polnisch Równe, russisch Ровно (Rowno). Der Ort liegt in Wolhynien.

Heute ist es dank der Möglichkeiten des Internets deutlich einfacher als vor zehn Jahren, einen Ort zu finden:

  • Gibt man "Zeleznica, Rowno" im Internet-Lexikon Wikipedia ein, so erhält man noch kein Ergebnis. In vielen anderen Fällen ist Wikipedia aber sehr hilfreich.
  • Erfolgreicher ist die Suche mit Google: "Zeleznica, Rowno" führt zu einer Vielzahl von Fundstellen, u.a. zu einer Liste von Ortschaften in West-Wolhynien (1927), die auf der Basis der "Karte der deutschen Sprachinseln im zu Polen gehörenden Wolhynien" von Kurt Lück erstellt wurde. Dort steht Żeleźnica, Kirchspiel Tuczyń, Index G4. Die Karte dazu findet man auf einer Internetseite von www.wolhynien.de. Żeleźnica liegt am rechten Rand der Karte und ist somit ein Ort, der sehr dicht an der Grenze zum Sowjetischen Wolhynien lag. Meine Familie hatte also Glück gehabt!
  • Die genauen Koordinaten, die einen Ort eindeutig definieren, ermittelt man am besten mit Google Earth. Ich gebe Rivne ein und "fliege" dorthin, dann gehe ich so lange nach rechts bis ich Koryst' sehe. Ich entdecke den in Grün geschrieben Rayon Korets'kyi. Wenn ich jetzt vergrößere, finde ich leicht "Zaliznytsya" (ukrainisch Залізниця) zwischen Koloverty und Danychiv. Die Koordinaten sind 50°40'50'' N (nördliche Breite) und 26°58'11'' O (östliche Länge).



Ortschild von Zaliznytsya, liegt ca. 20 Kilometer nordwestlich von der Kleinstadt Korets entfernt. Im Hintergrund erkennt man die Lage der ehem. deutschen Kolonie, 2006.
Für jede Ortssuche benötigt man Karten, am besten aus der Zeit des betreffenden Ereignisses. Im Internet findet man immer mehr Karten mit guter Auflösung, die man auf seinen Computer herunterladen und mit einem Bildbearbeitungsprogramm anschauen oder ausdrucken kann.

  • Für das westliche Osteuropa bis 30°20' östliche Breite findet man viele Karten bei der polnischen Kartensammelstelle MAPSTER unter igrek.amzp.pl/. Diese Karten reichen bis kurz vor Kiew und haben unterschiedliche Maßstäbe. Sehr gut sind die polnischen Karten (M 1:100.000) von 1930.
  • Bis hinter Odessa reichen die Österreich-Ungarischen Karten (M 1:200.000) von 1900, siehe: lazarus.elte.hu/hun/digkonyv/topo/3felmeres
  • Karten für Russland, die Ukraine und Weißrussland von 1970-1990 (M 1:100.000 bis M 1:1.000.000) findet man unter: maps.vlasenko.net/


Die Karten sind kyrillisch und reichen bis zum Fernen Osten. Man kann einen Ort gleichzeitig auf zwei Karten anschauen, darunter auch die oben genannten österreichisch-ungarischen Karten.



Die Ortssuche hat auch den Sinn, Orte der Familie zu besuchen, um herauszufinden, wie es dort heute aussieht. Das habe ich 2006 gemacht. Ich besuchte auch die nord-östlich von Zaliznytsia gelegene Kolonie Toptscha (pol. Topcza, ukr. Топча). Mein Vater ging dort bei seinem Vater nach der Verbannung in Orenburg zur Schule. Zu sehen ist dort nur noch der überwucherte Friedhof. Das kleine ukrainische Dorf ist aber noch existent. Jetzt verstehe ich meinen Vater, warum er nach seiner Ausbildung nicht nach Wolhynien zurückkehrte, sondern die Großstadt Posen (poln. Poznań) vorzog, wo ich geboren wurde.

Frank Stewner, Hamburg




Kalender 2014: Kontaktdaten einiger Organisationen und Initiativgruppen der Deutschen aus Russland

Forum Russlanddeutsche Essen e.V. (FRD)
Gründung: 2000, Sitz: Essen, Präsenz: Mitglied von VIRA Nordrhein-Westfalen, Kontakt: Heßlerstraße 208-210, 45329 Essen, Tel.: +49 (201) 1 71 26 30, Email: frd-essen@arcor.de, Internet: www.frd-essen.de.

Russlanddeutscher Unternehmerverband e.V. (RDUV)
Gründung: 2007, Sitz: Düsseldorf; Präsenz: Bundesweit; Newsletter per Email; Kontakt: RDUV e.V., Am Sandbach 5, 40878 Ratingen, Tel.: +49 (21 02) 942 29 22, Fax: +49 (21 02) 942 29 10, Email: info@rduv.de, Internet: www.rduv.de.

Atlant e.V.
Gründung: 2004, Sitz: Köln; Präsenz: Nordrhein-Westfalen; Kontakt: Atlant e.V., Clevischer Ring 93, 51063 Köln, Tel.: +49 (221) 6 40 67 80, Fax: +49 (221) 640 68 78, Email: zmo@atlant-koeln.de, Internet: www.atlant-koeln.de.

Verein für russlanddeutsche Kultur und Volkskunde e.V.
Gründung: 2002, Sitz: Detmold, Förderverein für das Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte (1996) in Detmold; Kontakt: Georgstraße 24, 32756 Detmold; Tel.: +49 (52 31) 92 16 26; Fax: +49 (52 31) 92 16 18; Email: info@ russlanddeutsche.de, www.russlanddeutsche.de.

ARTEC proiectum e.V.
Gründung: 2006, Sitz: Nürnberg; Kontakt: Imbuschstrasse 1, 90473 Nürnberg; Tel.: +49 (911) 800 26 38, Fax: +49 (911) 800 26 40; Email: artec.infos@yahoo.de, Internet: www.artec-nürnberg.de.

Ost-West-Panorama Club
Gründung: 2001, Sitz: Mainz; Diskussions-Club "Ost-West-Panorama"; Kontakt: OWP-Club, Am Bruch 73d, 34431 Marsberg; Tel.: +49 (29 92) 655 655, Fax: +49 (29 92) 655 601, Email: info@hapen.de, Internet: www.ost-west-panorama.de.

DipKurier / Russlanddeutsche Allgemeine
Internet: www.rd-allgemeine.de.

Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. (LDR)
Gründung: 22. April 1950, Sitz: Stuttgart, Patenland: Baden-Württemberg, Präsenz: Bundesweit; Mitglied im Bund der Vertriebenen e.V. (BdV); Mitteilungsblatt: "Volk auf dem Weg", Kontakt: Raitelsbergstraße 49, 70188 Stuttgart; Tel.: +49 (711) 1 66 59 - 0, Fax: +49 (711) 2 86 44 13, Email: lmdr-ev@t-online.de, Internet: deutscheausrussland.de oder lmdr.de.

Landsmannschaft der Wolgadeutschen e.V. (LDW)
Gründung: 1984 (zunächst als "Arbeitskreis der Wolgadeutschen"); Sitz: Pfungstadt, Patenland: Hessen; Präsenz: Bundesweit, Landesverbände in Hessen, Bayern und Berlin; Kontakt: Gambrinius-Straße 24a, 64319 Pfungstadt, Tel.: +49 (61 57) 30 71, Fax: +49 (61 57) 72 52; Email: wolgadeutsche@web.de.

Bessarabiendeutscher Verein e.V.
Gründung: 1949, Sitz: Stuttgart, Präsenz: Bundesweit, Monatliche Zeitung: "Mitteilungsblatt", Heimatmuseum der Bessarabiendeutschen Stuttgart, Kontakt: Olaf Schelski, Gotenstraße 152, 53175 Bonn; Tel: +49 (228) 82 37 74 16, Email: verein@bessarabien.de, Internet: www.bessarabien.de.

Historischer Verein Wolhynien e.V.
Gründung: 1974, Sitz: Wiesentheid; Präsenz: Bundesweit; Publikationen: "Wolhynische Hefte", Wolhynier Umsiedler-Museum Linstow / Mecklenburg, Kontakt: Gerhard König, Neustadt 14, 99817 Eisenach, Tel.: +49 (36 91) 73 38 32, Email: Nikolaus.Arndt@t-online.de, Internet: www.historischerverein.wolhynien.de.

Vereinigung zur Integration der russlanddeutschen Aussiedler e.V.(VIRA)
Gründung: 1999, Präsenz: Nordrhein-Westfalen, Mitteilungsblatt: "Wir in NRW"; Kontakt: VIRA e.V., Bismarkstraße 90, 40210 Düsseldorf; Tel.: +49 (211) 1 71 11 14, Email: vira-ev@t-online.de, Internet: www.vira-ev.de.

Integrationsverein russlanddeutscher Wissenschaftler und Akademiker e.V. (IRWA)
Gründung: 1999, Präsenz: Bundesweit, Landesverbände in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Bayern, Hessen; Kontakt: IRWA e.V. , Postfach 710862, 50748 Köln, Tel./Fax: +49 (221) 79 98 17, Email: auskunft@irwa-v.de , Internet: www.irwa-v.de.

Ehem. Vereine und Initiativgruppen, die sich unter schwierigen Umständen für die freie Ausreise der Russlanddeutschen aus der ehem. UdSSR eingesetzt haben und inzwischen aufgelöst bzw. inaktiv sind: Bund "Re Patria" e.V., Komitee der Deutschen aus Russland, Verein für Menschenrechte der Deutschen in der UdSSR, Hilfskomitee für Deutschen in der UdSSR, Initiativgruppe der Heimkehrer, Arbeitsausschuss "Deutsche in der UdSSR" bei der IGFM, Initiative Demonstrations- und Hilfsgruppe.




Kalender 2015: Tipps für Familienforscher bei der Suche in den USA und Kanada

Es sollte selbstverständlich sein, dass man die Ahnenforschung durch Gespräche mit Eltern und Großeltern, Onkeln und Tanten sowie Cousins und Cousinen beginnt. Informieren Sie auch Ihre Geschwister, um mehr über die Großeltern zu erfahren. Bitten Sie um ihre Hilfe und beziehen Sie die ganze Familie ein. Das klingt wie einfache Ratschläge, aber es ist nicht immer leicht. Meist zeigen Ihre Verwandten Interesse, aber normalerweise werden Sie mit Ihrer Forschung allein sein! Seien Sie bereit, viel Zeit und etwas Geld aufzubringen, um zählbare Ergebnisse zu erhalten. Im Folgenden meine Vorschläge für Ihre Ahnenfor-schung. Leider kann ich den Erfolg nicht garantieren!

1. Der Forschende muss zuerst die allgemeine Geschichte der Deutschen, die einst Russland gelebt haben, kennenlernen. Man muss Bücher lesen und auch Landkarten studieren. Ich empfehle folgende Bücher:
  • From Catherine to Khrushchev. The Story of Russia's Germans.
    Adam Giesinger, 1974.
  • Paradise on the Steppe. The Odyssey of a Pioneering People.
    Joseph S. Height, 1973.
  • Homesteaders on the Steppe. Cultural History of the Evangelical Lutheran Colonies in the Region of Odessa.
    Joseph S. Height, 1975.
  • The German Colonies in South Russia, Volumes I and II.
    Rev. Konrad Keller, translated from German
    by Anthony Becker, 1973.
  • Memories of the Black Sea Germans.
    Joseph S. Height, 1979.
  • My Home on the Crimean Steppe.
    David Weigum, 1987.
  • From the Steppes to the Prairies.
    Msgr. George P. Aberle, 1993.
2. Es gibt viele Forschungsvereine, die man kontaktieren kann. Durch eine Mitgliedschaft kann man andere Forscher finden, die Interesse an denselben Familien und den gleichen Dörfern haben. Das ist sehr wichtig. Bringen Sie die Namen der Menschen in Erfahrung, die am besten in der Geschichte Ihres Heimatdorfes bewandert sind. 3. Nutzen Sie das Internet für Ihre Forschung. Zum Beispiel auf www.blackseagr.org können Sie kostenlos eine Datenbank durch-suchen. Man findet hier mehr als zwei Millionen Namen der Deutschen aus Russland und ihren Nachkommen.
http://www.blackseagr.org/research.html - hier finden Sie eine Liste vieler Webseiten über die Deutschen aus Russland.
http://www.odessa3.org/ - sehr wichtige Hilfsquelle.
http://www.odessa3.org/collections/libindex.html
Hier findet man Familienlisten der deutschen Dörfer Süd-Russlands sowie Friedhof-Listen, Datensätze aus Nordamerika, Familiengeschichten, Gemeindegeschichten, Todesanzeigen, Passagierlisten, das St. Petersburg-Konsistorium der Lutherischen Kirche, Datensätze 1833-1885 (sehr wichtig), die Einwanderer-Zentralstelle (EWZ), Aufzeichnungen usw.
www.ancestry.com - wichtige Datenbanken für Passagierlisten, Volkszählungen, Wählerlisten usw. in den USA und Kanada. Man muss Mitglied sein! Wahrscheinlich kann Ihre örtliche Bibliothek auf diese Website zugreifen.
http://www.ourroots.ca/ - viele kanadische Gemeindegeschichten, d.h. digitale Kopien von Gemeindegeschichten-Büchern.

4. Alle Regierungen haben Webseiten und Archive. Erforschen Sie diese Webseiten für Volkszählungen, Wählerlisten und Friedhof-Listen, auch für Geburts-, Heirats- und Sterbe-Urkunden.
z.B. North Dakota, USA:
http://www.nd.gov/onlineservice.htm und http://history.nd.gov/archives/
z.B. Saskatchewan, Canada:
http://www.vitalcertificates.ca/saskatchewan/ und http://www.saskarchives.com/
z.B. Kansas, USA: Es gibt viele örtliche Genealogie-Verbände.
http://www.rootsweb.ancestry.com/~kssvgs/
Oft ist es möglich, dass man sich bei Kirchen und Pfarrämtern direkt melden kann. Sie werden oft auch Webseiten haben.

5. https://familysearch.org/ - die weltweit größte Sammlung von genealogischen Aufzeichnungen von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Bei Ihrer nächsten lokalen Kirche Jesu Christi können Sie in ihrer Bibliothek auf Mikrofilmen die alten Kirchen- und Dorf-Datensätze untersuchen. Erfahren Sie wie man die alten Kirchenbücher lesen kann - in Latein, alter deut-sche Schrift (Kurrent oder Sütterlin), Französisch und Russisch - oft in schlechter Handschrift! Sie können sich auch online registrieren lassen. Das ist der beste und schnellste Weg, die Hilfsmittel dieser Website zu entdecken.

6. Aufzeichnungen der Einwanderer-Zentralstelle (EWZ).
Besonders wichtig für die Forschung, wenn man vermisste Angehörige suchen möchte. Mehr als zwei Millionen ethnische Volksdeutsche wurden von der zentralen deutschen EWZ - für Einwanderung und Einbürgerung - in der Zeit der Umsiedlung 1939-1945 registriert. Kopien der einzelnen Datensätze können bei GRHS (Bismarck, North Dakota) bestellt werden. Ich verließ mich auf die EWZ-Datensätze, um die Nachkommen der Geschwister meiner Großeltern zu finden. Diese Familien sind im Schwarzmeergebiet bis zum II. Weltkrieg geblieben. In Deutschland wohnen viele meiner Verwandten. Für mich eine sehr dankbare Erfahrung, meine Cousins und Cousinen zu finden und zu treffen.
http://www.volhynia.com/res-ewz.html - eine gute Website, wo Sie mehr über die EWZ-Aufzeichnungen erfahren können.
http://www.goldade.net/ewz.htm - auch interessante Webseite.

7. Persönliche Beratung. Einige Jahre habe ich einen Deutschkurs besucht, damit ich auf Deutsch lesen, schreiben und auch spre-chen kann. Für meine Forschung ist das sehr wichtig. Ich habe Deutschland und das Schwarzmeergebiet in der Ukraine mehr-mals besucht. Ich habe jetzt guten Kontakt mit einigen Leuten, die mir in den Archiven helfen können. In der Ukraine gibt es Archive in Odessa, Nikolajew, Dnjepropetrowsk, Saporoshje, Cherson, Simferopol und in anderen Städten.
Katholische Kirchen-Akten müssen im Archiv in Saratow (Wol-ga) gekauft werden. Hier brauchen Sie auch einen Ansprechpart-ner, der Ihnen weiterhilft. Wenn Sie die alten deutschen Dörfer in der heutigen Ukraine besuchen, werden Sie einige der alten deut-schen Häuser und Kirchen sehen, die Ihre Vorfahren gebaut haben. Und Sie können auch sehen, dass diese deutschen Siedler keine ärmlichen Landarbeiter waren, sondern dass sie in an-spruchsvollen und wohlhabenden Gemeinschaften lebten.

Merv Weiss, Saskatoon, Provinz Saskatchewan, Kanada




Kalender 2016: Staatliches Historisches Archiv der Wolgadeutschen zu Engels

Im Gebiet der Wolgadeutschen, in ihrer Hauptstadt Pokrowsk(seit Oktober 1931 Engels), wurde durch Anordnung des Präsidiums des Gebietsvollzugskomitees im März 1923 ein Archiv eingerichtet, das im August 1923 seine Tätigkeit begann. Mit der Umwandlung des Gebietes in die Republik der Wolgadeutschen (Autonome Sozialistische Sowjetrepublik der Wolgadeutschen, ASSRdWD) am 6. Januar 1924 wurde daraus das Zentralarchiv der ASSRdWD, das der Archivabteilung des NKWD (Volkskommissariat für innere Angelegenheiten) der Republik unterstellt wurde.

Die kleine Belegschaft des Archivs mit ihrem Gründer, dem Historiker und Archivar Michail Piskunow, einem Absolventen der Universität Charkow, an der Spitze, begann mit der Sichtung der Dokumente der Wolost-Verwaltungen und der Dorfverwaltungen (Dorfversammlungen) sowie der Kirchenarchive der verschiedensten Konfessionen im Zusammenhang mit deren Schließung und Liquidierung, aber auch mit der Organisation der Bildungseinrichtungen auf dem Territorium, das zu der deutschen Autonomie gehörte. 1933, zum 10. Jahrestag des Bestehens des Zentralarchivs, waren in seinen Räumen 197 Bestände über 126.530 historische Akten und 812 Bestände über 131.336 Verfahren aus der Zeit nach 1917 gesammelt, zum 1. Januar 1941 waren es 1.475 Bestände, die 320.195 Fälle umfassten. Am 13. Oktober 1941 wurde das Zentralarchiv der ASSRdWD durch den Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 28. August 1941 "Über die Umsiedlung der Deutschen aus den Rayons des Wolgagebietes" in das Staatsarchiv Engels der NKWD-Verwaltung für das Gebiet Saratow reorganisiert und später zu einer Filiale des Staatsarchivs für das Gebiet Saratow herabgestuft.


Wappen von Engels
Die Lage änderte sich erst Anfang des 21. Jh. Nach der Rekonstruktion des alten Archivgebäudes (auf Kosten der Russischen Föderation), und der Fertigstellung eines dreistöckigen Anbaues als Archivdepot (der Anteil der deutschen Seite betrug 80%) sowie der Anordnung des Gouverneurs des Gebietes Saratow vom 7. Juni 2005 wurde auf der Grundlage der Filiale das staatliche Gebietsamt "Staatliches historisches Archiv der Wolgadeutschen in der Stadt Engels" gegründet.

Ungeachtet dessen, dass in der Zeit von 1841 bis 1945 eine ganze Reihe von Archivbeständen dem Archiv des Gebietes Wolgograd überlassen wurde, das von dem Territorium der früheren ASSRdWD sieben Kantone erhalten hatte, und einer Reihe Bestände, einschließlich der Register aus dem Standesamtsarchiv des Gebietes an das Staatliche Archiv des Gebietes Saratow abgegeben wurde, blieb doch der größte Teil der Dokumente aus der Geschichte der Besiedlung des Wolgagebietes durch die Kolonisten wie auch der Machtorgane des Gebietes und der Republik der Wolgadeutschen im Besitz des Archivs zu Engels. Deshalb ist das Interesse an unseren Beständen nicht nur bei den Gelehrten der ganzen Welt, sondern auch bei den einfachen Bürgern so groß, die die Geschichte ihrer Familien erforschen wollen. Als Hilfe für solche Forscher erstellten die Archivare gemeinsam mit Professorin Olga Litzenberger ein mit Inhaltsangabe versehenes Verzeichnis der Angelegenheiten der Sammlung der römisch-katholischen Kirchen (1789-1934, 156 Seiten), das 2009 im Verlagshaus Mark in Saratow veröffentlicht wurde. Diese Publikation erlaubt uns, uns im vorliegenden Material nicht mit der Zusammensetzung und dem Inhalt der Dokumente der 16 Bestände der röm.-kath. Kirchen aufzuhalten und uns stattdessen den Archivbeständen der 48 evangelisch-lutherischen Kirchen zuzuwenden.

Ein großer Teil der im Wolgagebiet siedelnden Kolonisten (etwa 75%) waren lutherischen Glaubensbekenntnisses. Das Studium der Register zeigte, dass es in der Kirche von Baratajewka (Bettinger) Einträge über Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle von Kolonisten der Dörfer Wassiljewka (Basel, Gratz) Podlesnoje (Unterwalden), Sosnowka (Susannental, Winkelmann), Baskakowka (Kind), Wolkowo (Schaffhausen), Georgijewka (Glarus) und Alexandrowka (Hockerberg, Bohn) aus den Jahren 1806 - 1921 gibt, in der Kirche von Goly Karamysch (Balzer) Einträge von Ust-Solicha (Messer), Kljutschi (Moor), Popowka (Kutter, Brehning-Chutor) und Werschinka (Kautz) aus den Jahren 1804 - 1926 gibt. Zum Kirchspiel Ossinowski (Reinhardt) gehörten die Kolonien Lipowka (Schäfer), Lipow-Kut (Urbach), Lugowaja Grjasnucha (Schulz) und Stariza (Reinwald). In den Jahren 1832 - 1843 gehörten zum Kirchspiel Priwalnoje (Warenburg) die Kolonisten der Dörfer Saumorje (Bangert), Popowkina (Jost), Skatowka (Straub), Stepnoje (Stahl am Tarlyk), Tarlykowka (Dinkel), Tarlyk (Laub) und Jablonowka (Lauwe), ebenso in den Jahren 1794 - 1826 und 1932. Später bauten viele Kolonisten Kirchen in ihren Kolonien, wodurch neue Kirchspiele entstanden. Unter den Dokumenten einer Reihe von Kirchen werden Personal- und Konfirmationsbücher aufbewahrt.

Staatliches historisches Archiv der Wolgadeutschen zu Engels
Postanschrift:
413100 Gebiet Saratow, Stadt Engels, Leninplatz 13
Почтовый адрес:
413100 Саратовская обл., г. Энгельс, пл. Ленина, д. 13
Email: archive@engels.san.ru
Homepage: www.engels-archive.ru
Telefon/Fax: 56-89-24, 55-67-88
Am informativsten sind zur Erstellung von Stammbäumen die Dokumente einer ganzen Reihe von Wolost-Verwaltungen: von Sosnowka (Schilling), wo die Revisionsverzeichnisse (Volkszählung) aus den Jahren 1835, 1850 und 1857 und die Zählung aus dem Jahre 1897 noch vorhanden sind; von Jekaterinenstadt (1920 Marxstadt), unter denen außer den Ergebnissen der Volkszählungen auch Familienverzeichnisse aufbewahrt werden; in dieser Hinsicht sind auch die Dokumente der Wolost-Verwaltungen von Krasny Jar (Krasnojar), Werchne-Jeruslansk, Hussenbach (Linewo-Osero) und einer ganzen Reihe von Dorfversammlungen interessant, wie Ust-Karaman (Enders), Rybny (Fischer, Teljausa), Berjosowka (Ernestinendorf), Bordowskoje (Boaro, Boisroux), Wassiljewka (Basel, Gratz) u. a.

Die vollständigsten genealogischen Forschungen können die Archivare von folgenden Kolonien erfüllen: Goly Karamysch (Balzer), Norka (Weigand), Priwalnoje (Warenburg), Sewastjanowka (Anton) und Podstepnoje (Rosenheim); vorwiegend für das 19. und den Anfang des 20. Jh.

In einer Reihe von Archivbeständen sind Daten über die Emigration von Kolonisten nach Amerika und in andere Regionen enthalten.

Das Archiv verfügt über einen Lesesaal mit sechs Arbeitsplätzen. Der Lesesaal ist geöffnet von Montag bis Freitag, für auswärtige Forscher von 9 bis 16 Uhr mit einer Mittagspause von 12-13 Uhr. Die Forscher arbeiten kostenfrei, Gebühren werden nach einem Preisverzeichnis nur für die Fotokopien der Dokumente erhoben. Anträge auf Ausführung eines genealogischen Auftrages durch einen Mitarbeiter des Archivs können ebenfalls nach einer Preisliste gestellt werden.

Jerina Jelisaweta
Leiterin der Dokumenten-Nutzungsabteilung



Kalender 2017: Dokumente über die Schwarzmeerdeutschen in den Archiven von Odessa

Das Staatsarchiv des Bezirks Odessa wurde im Jahre 1921 gegründet. Die überwiegende Zahl der Archivdokumente stammt aus dem 19. und 20. Jh., einige davon sind auch älteren Datums. Insgesamt verfügt das Archiv über zwei Millionen Archiveinheiten. Nach den vorläufigen Angaben gibt es dort etwa 200.000 Akten, die die Geschichte der Schwarzmeerdeutschen betreffen, die größtenteils noch nicht in angemessener Weise bearbeitet bzw. erforscht worden sind.

Zu den frühesten und interessantesten gehören die Archivbestände des Fürsorgekomitees für die ausländischen Ansiedler (Fond 6 - aus den Jahren 1800-1871, 15.227 Archivakten) und seiner Odessaer Niederlassung (Fond 252 - für die Jahre 1800-1833, 917 Archivakten). Darin wurden Unterlagen zur Wohnumfeld-Infrastruktur der Kolonien und zum Alltag ausländischer Kolonisten gezielt gesammelt, in erster Linie solche mit deutscher Herkunft.

Zu einigen Mutterkolonien gibt es eigenständige Bestände mit Akten der Bezirks- und Dorfverwaltungen. Dazu gehöören Groß-Liebenthal(Fond 53), Kandel(54 und 67), Baden(55 und 68), Mannheim(56), Selz(58), Alexanderhilf(61), Klein-Liebental(63), Josephstahl(64 und 71), Marienthal(65), Petersthal(66), Elsass(70), Hoffnungsthal(74) und andere.

Eine wertvolle Informationsquelle über die evangelisch-lutherischen Gemeinde der Stadt Odessa stellt der entsprechende Archivbestand dar (Vgl.: Nr. 630 - von 1811 bis 1925, 365 Akten). Bedauerlicherweise sind zahlreiche Archivbestände der katholischen Pfarreien nahezu vollständig verschollen.

Kirchenbücher der lutherischen und (freikirchlich) reformierten Gemeinden aus den Gebieten der Südukraine, von Bessarabien bis hin zum Asowschen Meer sind in einem Archivbestand zusammengefasst (Nr. 894, von 1898 bis 1917, 49 Akten) und enthalten Aufzeichnungen über Geburten, Eheschließungen und Todesfälle von über 110.000 deutschen Personen. Eine detaillierte Auflistung dieses Bestandes mit der Aufteilung nach Einzelakten, Gemeinden und Siedlungen wurde in einem Sammelkatalog auf den Seiten 59-68 und 193-273 veröffentlicht:


Deutsche stellten einen beträchtlichen Teil der Einwohnerschaft des Gouvernements Cherson dar. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren sie im Besitz von ca. 35% aller Ländereien im Amtsbezirk Odessa. Die vielfältigen "Geschäfte" zum An- und Verkauf von Immobilien spiegeln sich im Aktenbestand des Haupt-Notars des Odessaer Landgerichts wieder (Fond 35 - von 1865 bis 1920, 30.701 Akten). Obwohl diese Dokumentensammlung lediglich zu 30% erhalten blieb, enthält sie wertvolle Verzeichnisse mit über 100.000 Titelangaben mit den Familiennamen unter Erwähnung der jeweiliegn Ortschaft.

Es bestehen Informationen über die Deutschen auch in vielen anderen Archivbeständen der staatlichen und privaten Einrichtungen der damaligen Zeit. Die Auflistung aller Bestände der vorsowjetischen Periode findet man auf der Internetseite des Archivs:


wodurch eine vorbereitende Recherche per Internet-Suche ermöglicht wird.

Aus der sowjetischen Periode befinden sich zum Zeitraum der 1920-1930er Jahre zehntausende Unterlagen in den hunderten von Archivbeständen der jeweiligen deutschen Verwaltungs- und Wirtschaftseinrichtungen. Deren vollständige Beschreibung steht noch aus, allerdings kann eine Übersicht aller Bestände schon jetzt auf der Internet-Seite des Archivs eingesehen werden:


Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Bestände des Standesamtes der Stadt Odessa, sowie der ländlichen Kreisabteilungen des Standesamtes Odessa, die dem Staatsarchiv des Bezirks Odessa übergeben worden sind. Hierbei handelt es sich um hunderte von Archivakten mit standesamtlichen Eintragungen über Geburten, Eheschließungen und Todesfälle, die fast durchgehend einen Vermerk zur Nationalität(Volkszugehörigkeit) enthalten, was für die Rekonstruktion der Familienunterlagen (im Rahmen der Familienforschung) von Relevanz ist. Weder sind die Unterlagen zu allen deutschen Siedlungen erhalten geblieben, noch decken sie alle Jahre ab, dafür ist ihr Umfang groß und das Thema bedarf einer gesonderten Untersuchung.

In den Akten verschiedener administrativer sowie parteiwirtschaftlicher Einrichtungen gibt es viele Angaben über die Enteignungen von (Groß-)Bauern. In der entsprechenden Registerkartei sind mehr als 14.000 deutsche Familien enthalten, wobei diese Zahl bei weitem nicht endgültig sein kann, weil es allumfassende Nachforschungen hierzu nicht gab. Gesondert sollten die Archivunterlagen der Repressivorgane aus der Zeit der Stalin-Ära betrachtet werden. Die Archivakten der politisch Repressierten (Verurteilten) wurden zum Teil an das Staatsarchiv des Bezirks Odessa übergeben. Insgesamt handelt es sich hierbei um 13.400 Akten, darunter befinden sich über 3500 Personen deutscher Nationalität. Ein beträchtlicher Teil der Bestände befindet sich weiterhin im Archiv der Odessaer Bezirksverwaltung SBU (Staatssicherheit der Ukraine), die mehr als 2500 Deutsche betreffen. Die Akten über die Sonderstrafansiedler (Deportierten) werden dagegen im Archiv der Hauptverwaltung des MDW (Ministerium des Inneren) des Bezirks Odessa aufbewahrt. Insgesamt sind es 26.200 Akten, davon mehr als 22.000 von den Deutschen.

Mit all diesen Akten werden im Institut für ethnische Forschungen e.V. derzeit zwecks Identifizierung und Digitalisierung gearbeitet. Die Auflistung der Repressierten (6006 Namen) und Sonderstrafansiedler (28.471 Namen) kann in der Abteilung Martirolog der Odessaer Deutschen unter:


eingesehen werden. Eine weitere Personengruppe stellen die Repatriierten dar. Aus den Archiven des ehemaligen KGB (Komitee für Staatssicherheit) wurden dem Staatsarchiv des Bezirks Odessa ca. 90.000 Registerkartei-Kärtchen und mehr als 27.000 Akten über all diejenigen Repatriierten übergeben, die im Rahmen der Rückführung aus Deutschland in die UdSSR in den Jahren 1945 und 1946 einer Filtrations-Überprüfung unterzogen wurden. Unter diesen Materialien finden sich ca. 45% der Akten auf Personen deutscher Nationalität, deren Listen derzeit (noch) bearbeitet und präzisiert werden.

Im Zusammenhang mit der Verabschiedung des Gesetzes über den Zugang zu den Unterlagen der Repressionsorgane der Sowjetischen Periode in der Ukraine im Jahre 2015 wurden die bis dato unbekannten Bestände in den Archiven der SBU und des MWD aufgespürt. Dies führt zu tausenden neuen Archivakten und tausenden neuen Namen, welche weiterer und weiterer Nachforschungen bedürfen.

Alex Köhler
Institut für ethnische Forschungen e.V., Odessa, Ukraine
E-Post: koehler1962@gmail.com
Übersetzung: Ida Häuser, Graben(Lechfeld)